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Ich dachte, ich müsste ruhiger werden

Sep. 16, 2026

Lange Zeit habe ich einem Ziel hinterhergejagt – dem Ziel meinen Alltag ruhig und gelassen zu meistern. Und heute habe ich erkannt, dass das nicht nur unrealistisch ist, sondern, dass es absolut nicht das ist, was ich will oder brauche. 

Ich dachte, ich müsste nur ruhiger werden

Zum Anfang: Gefühlt vermittelten mir viele Inhalte der letzten Jahre auf sozialen Medien den Eindruck, dass sich alles darum dreht, sich die perfekte Welt zu erschaffen, den perfekten Alltag, mit den perfekten Kindern und dem perfekten Haus. Und all das neben einer perfekten Karriere als Frau. Also sollen wir Frauen all das meistern und am besten, ohne uns die Anstrengung dessen anmerken zu lassen. 

Dazu, so hatte ich immer den Eindruck, ist es nötig, dass wir Frauen in uns ruhen können. Ein bisschen Yoga hier, eine beruhigende Meditation da und schon sollte alles in Harmonie flutschen. Und ich habe das über Jahre immer wieder versucht, bin daran gescheitert und habe mich letztendlich dafür verurteilt, habe mich nicht richtig gefühlt und habe gedacht, ich bin einfach daran gescheitert. 

Auf der Suche nach dem einen Ding

Dann dachte ich, ich muss das eine Ding für mich finden. Das eine Ding, das das Feuer in mir entfacht – und wenn ich dem folgen kann, dann wird alles gut. Dann bin ich ausgeglichen und entspannt und kann meinen erfüllten Alltag endlich genießen. Denn hat nicht jeder erfolgreiche Mensch dieses eine Ding, das ihn ausmacht? 

Nun ja, auch daran bin ich bisher gescheitert. Ich habe, seit ich denken kann, unglaublich viele Interessen und Dinge, die mir Spaß machen und Freude bereiten. Und das führte mich zur nächsten Herausforderung. Ich hatte Stress und ein schlechtes Gewissen, weil ich immer wieder etwas zu tun fand und ich es nicht schaffte, alle meine Interessen wirklich zu 100 % ausüben zu können. Ich dachte lange, dass das falsch ist, dass ich falsch bin. Das habe ich auch als junge Frau öfters von außen vermittelt bekommen – denn: „Du musst dich doch endlich mal entscheiden, du kannst nicht alles machen.“ 

Was will eigentlich ICH?

Dann habe ich vor einiger Zeit erkannt, dass es mich niemals glücklich machen wird, wenn ich versuche, es den anderen recht zu machen. Ich selbst muss mein Leben jeden Tag leben, nicht die anderen. Darum darf ich es auch so gestalten, wie ICH es will, auch wenn andere das so nicht gut finden.

Diese Erkenntnis kostete viel Zeit und noch mehr innere Arbeit – ein ständiges Vor und Zurück, viele Zweifel, viel Angst und doch kam immer wieder die Bestätigung und das Vertrauen, dass es das alles wert ist. Das Bleiben in alten Glaubenssätzen und Gedankenmustern war keine Alternative mehr für mich. 

Und so habe ich die letzten Jahre gefühlt damit verbracht, herauszufinden, was ICH will und was MICH erfüllt. Ich habe noch immer nach dem einen Ding gesucht – nach dem einen Ding, das mich mein Leben dann voller Erfüllung in Ruhe und Gelassenheit leben lässt. Und immer wieder kam ich an eine Grenze, an einen Punkt, an dem ich merkte „Boah – ich schaffe das alles nicht mit Ruhe und Gelassenheit“. Ich dachte noch immer, ich muss ruhiger, leiser und entspannter werden und dann, ja dann komme ich ans Ziel. 

Vielleicht will ich gar kein ruhiges Leben

Doch heute habe ich dank meiner Mentorin erkannt, dass ich hier einem Irrglauben aufgesessen bin. Ich bin kein Mensch, der ein ruhiges und gelassenes Leben führen möchte. Mich würde das gar nicht erfüllen. 

Mein Leben steckt voller Aufgaben, voller Erlebnisse, voller Projekte – einfach voller Leben – und genau das liebe ich! Ich liebe es, dass ständig etwas zu tun ist, dass ich meine Kinder um mich habe, dass ich meine Tiere um mich habe und dass unser Garten uns ständig neue Projekte vor die Beine wirft. 

Ruhe darf ein Teil meines vollen Lebens sein

Das heißt natürlich nicht, dass ich ruhige Momente, Harmonie und Entspannung nicht auch möchte – doch ich habe erkannt, dass ich das nicht stundenlang will oder brauche. Sind es nur fünf Minuten entspannt unter einem Baum oder beim Beobachten der Tiere auf der Wiese – das erfüllt mich bereits. Ich brauche keine einstündige Meditation, um meinen Alltag bewusst lieben zu können. Ich liebe es, meine Projekte umzusetzen und von einer meiner Leidenschaften in die nächste einzutauchen.  

Und ja klar, überfordert mich all das Gewusel auch mal – vor allem, wenn unvorhergesehene Dinge passieren, was mit Kindern und Tieren einfach vorkommt. Doch was mich noch mehr überforderte, war die Suche nach der einen Leidenschaft, dem einen Ding, das es schafft, dass ich mein ganzes Leben erfüllt und in Ruhe und Gelassenheit leben kann – denn das gibt es für mich einfach nicht. UND DAS IST OK.

Und das Paradoxe an dem Ganzen: Die Erkenntnis, dass ich eben nicht nach Ruhe und Gelassenheit in meinem Leben suche, lässt automatisch Ruhe in mir einkehren. Weil der Stress und die Angst wegfallen, dass ich etwas Wichtiges nicht finde. Es ist die Ruhe der Gewissheit, dass ich mein volles Leben lieben darf und dass daran nichts falsch ist.

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