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Leiste ich genug?

Juli 21, 2026

Es ist 18 Uhr. Es ist der letzte Abend, an dem ich das erste Mal drei Tage und zwei Nächte ohne meinen Mann, meinen Sohn und meine Tochter zuhause war.  Also nur ich – allein zuhause mit all unseren Tieren. Meine Vorstellung dieser 3 Tage: einfach abschalten, genießen und Kraft auftanken. Klingt traumhaft, oder? 

Nun ja –  die letzten Tage fühlten sich ganz anders an. Ich wusste nicht so recht wie ich meine „freie“ Zeit wirklich sinnvoll verbringen soll. Wie tanke ich am besten Kraft? Was will ich am liebsten tun? Was kann ich sonst schwer tun, wenn alle um mich rum sind? Ich kannte dieses Gefühl aus der Baby-Zeit meines Sohnes – wenn mal Zeit für mich allein war, war ich unendlich überfordert damit, was ich tun sollte. Ich wollte nichts falsches tun, sondern genau das was ich brauchte – doch das wusste ich nicht. 

Ich dachte, diese drei Tage würden mich richtig zur Ruhe kommen lassen. Stattdessen hat sich in mir eine ganz andere Frage aufgetan, die mich schon lange begleitet – mal ganz laut und gefühlt dauerhaft sehr leise: Leiste ich eigentlich genug als Mama?

Wenn plötzlich Zeit da ist

Aber zurück zu jetzt: Der Alltag war natürlich trotzdem irgendwie da – ich hatte an zwei von den drei Tagen Termine, die ich wahrnehmen musste bzw. wollte. Die Tiere wollten versorgt werden. Und vor allem wollte ich richtig runterkommen und entspannen, um mich am dritten Tag richtig aufgetankt und kraftvoll zu fühlen und mich dann auf meine Kinder und meinen Göttergatten freuen. 

Aber nun sitze ich hier am letzten der drei Abende allein zuhause und frage mich, was ich die letzten drei Tage eigentlich gemacht habe. Die letzte Nacht war unglaublich ermüdend. Eine Gelse zerstach mich von oben bis unten und der Juckreiz war nicht auszuhalten. Ein Kühlpack wollte alle 10 Sekunden an einem anderen Stich gehalten werden – einschlafen dabei – Fehlanzeige. Natürlich schlief ich ein paar Stunden aber von erholtem Aufwachen war ich morgens um 8 Uhr weit entfernt. Ich bin müde – müde und auch irgendwie traurig darüber, dass die letzten Tage anders waren als gedacht. Dass ich weniger geschafft habe als gedacht und dass ich einfach nicht nichts tun konnte bzw. wollte. 

Ich habe gar nicht nichts getan

Und da fühlte ich dann den großen Unterschied! 

Ich dachte zu Beginn der drei Tage, dass ich jetzt mal nichts tun muss, weil ich es JETZT kann – ohne Kinder zuhause bin ich ja nur für mich verantwortlich. Doch das stimmt so nicht nicht. Klar bin ich flexibler und ja das hab ich richtig genossen! Alles in meinem Tempo und ohne Gefühle anderer begleiten zu müssen – puuh, das war gefühlt wie Urlaub. (Einmal stand ich am Einkaufsweg im Stau in der Stadt – ich überlegte kurz ob ich den Stau umfahren soll, was möglich gewesen wäre, aber dann dachte ich „Äh nö ich sitze hier einfach im Auto, warte, höre Musik – was gibt’s schöneres? – Gedanken, die nur eine Mutter versteht.) 

Also wie gesagt, „Nichts tun“ war keine Option. Ein kurzer Blick auf Tag 3 (der einzige Tag ohne Termine): Ich kümmerte mich gleich morgens um mich – Bad, Trinken und Umziehen – die Basics. Und das alles mit viel Ruhe, ohne unterbrochen zu werden. Dann ließ ich die Tiere, die noch in ihren Ställen waren, heraus, fütterte sie, gab ihnen frisches Wasser, streichelte diejenigen, die es wollten und stellte sicher, dass es allen gut geht. Hunde, Katze, Schafe, Hühner und Wachteln – alle wohlauf und versorgt. Dann kümmerte ich mich wieder um mich – ein spätes Frühstück ganz entspannt. Dazwischen ein Telefonat mit meinen drei Liebsten. Dann Haushalt – denn selbst bei mir allein mit den Tieren fällt etwas an bzw. war natürlich auch noch einiges der letzten Tage mit Kindern und Mann zuhause übrig und das wollte ich gern,  sogut es geht erledigen, bevor alle wieder da sind. Dazwischen habe ich dann noch etwas die Baustelle (wir bauen gerade Haus) aufgeräumt und habe die Gartenplanung weiter überlegt. Die Wachteleier im Brutautomaten erforderten ebenfalls ein paarmal mein Zutun. Ein paar Ladungen Wäsche schob ich über den Tag verteilt auch ein (die ließ ich die letzten Tage vollkommen liegen). Dazwischen wollte ich noch ein paar Pflanzen eingraben, die ich bei meiner gestrigen Einkaufstour vergünstigt ergattern konnte, doch mittags hatte ich absolut keine Lust (und fühlte mich schlecht deswegen) und nachmittags, als ich dann wollte, überraschte mich und die Hunde ein starkes Gewitter. Also wieder zurück ins Haus. Tee-Pause und überlegen, was ich noch machen will. TV an (super seltene Sache für mich, die mich gefühlt entspannt – obwohl mein schlechtes Gewissen dabei immer stark hochkommt) Smartphone in die Hand, nach heimischen geeigneten Pflanzen für den Vorgarten googeln. Merken, dass das Wetter wieder besser ist, anziehen und raus zum Büsche eingraben – klappt nicht, weil Boden viel zu hart, also auf morgen verschieben und kurz mal zur Feuerstelle setzen und reflektieren was das jetzt so die letzten drei Tage war und dabei diesen Text verfassen.. 

Was ich in diesen drei Tagen wirklich erkannt habe

Und dabei merkte ich, dass all diese Aufgaben, die ich erledigt habe und jeden fucking Tag mache, notwendig und vor allem auch wertvoll sind. 

All diese Aufgaben sind da und brauchen Zeit, auch wenn die restlichen Familienmitglieder außer Haus sind. Wenn sie aber den Tag über zuhause sind, dann werden die Aufgaben noch viel umfangreicher und müssen gefühlt mehr so nebenbei geschafft werden. Und trotzdem schaffe ich all die Aufgaben!! 

All das was ich die letzten drei Tage gemacht habe und den Tag ziemlich gefüllt hat, schaffe ich tagtäglich an der Seite dieser wundervollen Menschen, die ich durchs Leben begleiten darf! Wie kann ich eigentlich jemals gedacht haben, dass ich nicht genug leiste? Dass ich nicht genug schaffe? Dass andere Mütter das besser hinbekommen? 

Wir leisten mehr, als wir selbst glauben

All diese Aufgaben formen tagtäglich unser Leben und geben den Rahmen für unseren wundervollen und erfüllten Alltag. Ich als Mama schaffe all das – täglich – mal entspannter mal genervter. Das ist menschlich und das ist ok! 

Mein Resümee nach den drei Tagen als Mama allein zuhause: Ich habe die Tage absolut anders erlebt als ich gedacht habe! Ich habe absolut nicht Nichts getan. Ich habe nicht durch Nichts tun und chillen Kraft getankt. Man könnte also fast meinen, dass die Tage ein echter Fail waren! 

Aber nein – absolutes Gegenteil: 

Diese Tage allein zuhause haben mich mir selbst gegenüber sanfter gemacht! 

Sie haben mir all die wertvollen Aufgaben, die ich täglich schaffe aufgezeigt und mir klar gemacht, dass diese Aufgaben alleine schon Tag-füllend sind, ohne dass ich nebenbei meinen Sohn und meine Tochter durch den Tag begleite und meinen Mann versorge. Und genau darum darf ich verdammt nochmal richtig stolz auf mich sein!! Denn ich weiß, in knapp 2 Stunden, wenn wieder alle zuhause eintrudeln, bin ich wieder für meine Liebsten da – ich helfe, unterstütze, liebe, schlichte und begleite und all das schaffe ich trotz all der vielen, notwendigen und somit WERTvollen Aufgaben und Arbeiten, die ich täglich leiste. 

Wir Mütter dürfen das wieder selbst mehr wertschätzen und stolz auf unsere tägliche Leistung sein – denn wir leisten enorm viel – vor allem unglaublich viel Wichtiges.

Wenn du deine Gedanken zu meinen Worten mit mir teilen möchtest, freue ich mich, von dir zu lesen.

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