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Warum viele Menschen heute die Verbindung zur Natur verlieren – und warum das kein Zufall ist

Feb. 24, 2026

Viele Menschen spüren heute den Wunsch nach mehr Naturverbundenheit – manche können diesen Wunsch jedoch gar nicht benennen – sie spüren nur, dass irgendetwas nicht für sie passt. Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass alles voll ist – und trotzdem etwas fehlt?

Natur ist für viele nur ein Ort geworden – etwas, das wir besuchen, wenn Zeit dafür ist. Unser Alltag spielt sich zunehmend in Innenräumen ab, losgelöst von natürlichen Rhythmen. Das ist kein individuelles Versagen, sondern eine Folge unseres modernen Lebensstils. Und genau hier beginnt die Frage nach Naturverbundenheit – haben wir diese noch? Und brauchen wir sie überhaupt? Vielleicht ist es genau das, was man heute Naturentfremdung nennt.

Der Mensch ist Teil der Natur

Naturverbundenheit bedeutet nicht, dass wir alles über Pflanzen wissen – sondern es geht darum welche Beziehung wir zur Natur haben.

Wir Menschen leben seit hunderttausenden – vielleicht sogar seit Millionen von Jahren in und mit der Natur. Wir sind ein Teil von ihr. Unsere Körper und unsere Bedürfnisse haben sich in dieser Zeit mit den natürlichen Zyklen unserer Welt verändert und entwickelt.

Und doch ist genau diese Tatsache vielen Menschen heute nicht mehr bewusst. 

Kinder wachsen heute zunehmend fern von der Natur auf

In der heutigen Zeit wachsen Kinder vermehrt in Innenräumen auf. Sie werden früh morgens geweckt und oft unter Zeitdruck für den Tag fertig gemacht. Sie werden ins Auto gesetzt und in den Kindergarten oder die Schule gefahren. 

Dort verbringen sie dann oft die meiste Zeit des Tages in Gruppen- oder Klassenräumen. Meist ohne viel Bewegung – denn im Kindergarten ist hüpfen und laufen in den Räumen zu gefährlich und in Schulen gibt es einen straffen Zeitplan, den es einzuhalten gilt. 

Wenn die Kinder Glück haben, das Wetter mitspielt und die täglichen To Do‘s erfüllt wurden, dann haben sie vielleicht noch die Möglichkeit im Garten zu spielen. Oft handelt es sich dabei aber um asphaltierte Schulhöfe oder um, zwar begrünte, aber sehr fade angelegte Gärten. Es gibt meist keine Möglichkeit sich die Hände matschig zu machen, barfuß zu laufen oder die Natur wirklich zu spüren. 

Lässt unser Alltag noch Raum für Natur?

Meist ist das auch gar nicht erwünscht, denn viele Eltern würden durchdrehen, wenn ihre Kinder sich das schöne Gewand oder die Sandalen schmutzig machen würden. Die PädagogInnen stehen unter Druck allen Anforderungen gerecht zu werden – denen der Eltern und denen der Bildungsbehörden – für spontane Naturmomente bleibt meist keine Zeit. 

Denn sind wir uns ehrlich – welche Mama und welcher Papa hat denn die Zeit sich nun auch noch zusätzlich um das Saubermachen der matschigen Schuhe zu kümmern? Ein Familienalltag ist meist schon stark gefüllt und Eltern jonglieren damit, die täglichen Familien-To-Do’s unter einen Hut zu bekommen. 

Doch dabei vergessen wir eine wichtige Sache: Unsere Verbindung zur Natur. 

Und so verschwindet Natur nicht bewusst – sondern meist ganz leise aus unserem Alltag. 

Weil wir diese Momente am einfachsten aus unserem vollen Alltag streichen können, ohne dass uns jemand Vorwürfe dafür macht…

Leben wir noch im Einklang mit natürlichen Rhythmen?

Doch der Mensch ist ein natürliches Wesen – er lebt seit vielen tausend Jahren im Einklang mit der Natur. 

Und die Natur hat kraftvolle Phasen, in denen das Grün sprießt und in jeder Ecke ein anderes Tier herumhuscht, in der alle ihre Kräfte bündeln und auf ein Ziel hinarbeiten. Sei es die Ausbildung der Früchte und Samen der Pflanzen oder das Großziehen des Nachwuchses der Tiere. 

Doch nach dieser kraftvollen Zeit folgt eine Zeit der Ruhe. 

Sei es das Überdauern der Wurzeln, Früchte oder Samen der Pflanzen im Boden oder die Winterruhe der Tiere. Doch genau diese Ruhezeit gibt es in unserer hektischen Welt für uns Menschen oft nicht mehr. 

Ich muss ständig funktionieren 

In unserer Welt muss gefühlt jeder Mensch volle Leistung erbringen – und das jeden Tag und zu jeder Jahreszeit. Doch so leben wir Menschen erst seit sehr kurzer Zeit. 

Noch vor über 125 Jahren lebten die Menschen ohne Strom. Somit waren sie sehr stark an das natürliche Licht gebunden und lebten mehr im Einklang mit den natürlichen Rhythmen als wir es heutzutage tun. 

Strom, Licht und ständige Verfügbarkeit

Denk einmal darüber nach wie oft du Licht einschaltest, weil du deiner Tätigkeit sonst nicht mehr nachgehen könntest, weil es entweder noch super früh am Morgen oder schon ziemlich spät abends ist. 

Was haben Menschen in dieser Zeit früher getan? Sich Geschichten am Feuer erzählt? Oder gemeinsam am Tisch mit einer Kerze den Tag Revue passieren lassen? Oder einfach nichts? Geruht und über sich selbst nachgedacht? 

Ich möchte diese Zeit keinesfalls romantisieren! Es gibt genug Situationen, die für Menschen noch vor wenigen hundert Jahren sehr schwer, anstrengend und auch angsteinflößend gewesen sein müssen. Ich möchte schlichtweg aufzeigen, dass die Menschheit erst seit kurzer Zeit so lebt, wie wir heute leben. 

Ein sehr junger Lebensstil in der Menschheitsgeschichte

Je nachdem welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen man Glauben schenken möchte, lebt der homo sapiens („der moderne Mensch“) seit ungefähr 300.000 Jahren. 

Doch erst seit ungefähr 125 Jahren haben wir Menschen Strom zur Verfügung. Über 99% der Menschheitsgeschichte (wenn wir von 300.000 Jahren ausgehen) leben wir mit elektrischem Strom und damit völlig entkoppelt vom natürlichen Licht und somit auch abseits von unserer Natur und deren Rhythmen. 

Und jetzt denken wir noch an die Veränderungen seit 2007 – da kam das erste iPhone auf den Markt. Smartphones prägen unseren Alltag, bei manchen bestimmen sie ihn sogar. 

Ständig sind wir erreichbar, ständig sehen wir neue Informationen und alles scheint wichtiger und spannender zu sein als unsere eigene Welt, wir selbst als Mensch oder bei vielen sogar als der eigene Alltag.

Mein Resümee

Ich finde ein wichtiger Punkt für uns Menschen ist, dass wir diesen Umstand erkennen und uns bewusst machen. Denn nur dann können wir bewusst entscheiden, ob wir das für uns so wollen, ob wir das unseren Kindern so vorleben möchten oder ob wir etwas ändern wollen. 

Wir können für uns entscheiden, ob wir wieder naturverbundener, naturnaher oder einfach nur bewusster leben wollen und wie viel Naturverbindung wir für uns wieder erlangen möchten. 

Für uns – für unsere Kinder – und für unsere ganze Welt. 

Denn vielleicht beginnt Naturverbundenheit nicht unbedingt draußen – sondern mit der Entscheidung, wieder bewusst wahrzunehmen.

Häufige Fragen 

Was ist mit Naturverbundenheit eigentlich gemeint?

Mit Naturverbundenheit ist NICHT gemeint, wie oft wir draußen sind oder wie viel wir über Pflanzen wissen. Es geht vielmehr um die Beziehung, die wir als Menschen zur Natur haben und darum, ob wir uns als Teil von ihr sehen oder nicht. Dieser Verbindung dürfen wir uns wieder bewusst machen. 

Was bedeutet Naturentfremdung im heutigen Alltag?

Naturentfremdung ist, wenn Natur in unserem täglichen Leben kaum noch vorkommt und wir sie eigentlich gar nicht mehr wahrnehmen können. Sie entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam und unbewusst – z.B. durch einen Alltag, der sich nicht mehr an natürlichen Rhythmen orientiert.  

Warum betrifft Naturentfremdung so viele Menschen gleichzeitig?

Unsere heutige Art zu leben hat sich in sehr kurzer Zeit stark verändert. Arbeit, Bildung, Technologie und die ständige Verfügbarkeit prägen unseren Alltag enorm – und das tatsächlich schon in jedem Alter und jeder Lebensphase. Naturentfremdung ist darum nicht unser eigenes Versagen, sondern eine Folge unseres aktuellen Lebensstils. 

Ist unsere heutige Lebensweise wirklich so neu?

Verglichen mit der langen Geschichte der Menschheit ist unsere heutige Lebensweise sogar sehr neu. Neu bedeutet nicht unbedingt schlecht – gleichzeitig dürfen wir uns bewusst machen, dass wir erst seit kurzer Zeit so unabhängig vom Tageslicht, den Jahreszeiten und den gesamten natürlichen Zyklen unserer Welt leben. Wenn das die meiste Zeit anders war, vielleicht dürfen wir dann darüber nachdenken, ob uns das wirklich entspricht?

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